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In Herz und Hand - Schätze aus Privatbesitz - freundeskreis_fp

In Herz und Hand – Schätze aus Privatbesitz

Jubiläumsausstellung. 25. Juni - 30. Oktober
DATUM

24.06.2022

  • DATUM : 24.06.2022
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Zur Entstehung der Ausstellung

Private Sammlungen bilden in der Kunst häufig die Keimzelle für das Erwachen eines Interesses, welches nicht selten von Museen aufgegriffen wird und Ausstellungen begründet, die wiederum Kristallisationspunkt oder Reibungsfläche für neue Entwicklungen sind. In den frühen Büchern von Heinrich Stegmann (1893) und Christian Scherer (1909) wird an vielen Stellen auf Privatbesitz verwiesen, was die besondere Bedeutung desselben in diesem Zusammenhang herausstellt.

Das um die Wende zum 20. Jahrhundert erwachende Bewusstsein für die Manufakturgeschichte fand seinen sichtbaren Ausdruck in den Feierlichkeiten anlässlich des 150-jährigen Jubiläums Fürstenbergs im Jahr 1897. Es war das erste dieser Art, das als solches in der Porzellanbranche gefeiert wurde. Gleichzeitig wurde in dieser Zeit der Aufbau von Sammlungen forciert: vor allem im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig, aber auch in der Manufaktur selbst, die zudem begann, historische Stücke „aus altem Modell“ neu auszuformen.

Fürstenberg ist die zweitälteste fortwährend produzierende Manufaktur Deutschlands und so sind die in den genannten und weiteren Museen bedeutenden Bestände an Fürstenberger Porzellan nie erschöpfend. Dies gilt für die Frühzeit im 18. Jahrhundert, aber auch und gerade für spätere Epochen. Anlässlich des neuerlichen, nunmehr 275-jährigen Jubiläums und im Bewusstsein der Geschichte wollte der Freundeskreis an selbige anknüpfen und sie fortschreiben. In Zusammenarbeit mit dem Museumsteam wurden Porzellane von mehr als 20 privaten Leihgebern und Stiftungen in vier Kontexten zusammengestellt, die unerlässlich sind, will man die Besonderheiten des Fürstenberger Porzellans und seiner Entwicklung begreifen.


 


Die Anfänge vor 275 Jahren

Einem solchen Jubiläum angemessen greift der erste Themenkomplex die Anfangsjahre der Manufaktur auf. Die Exponate verdeutlichen durch ihre wunderbare Unperfektheit die großen technischen Herausforderungen. Die verblüffende gestalterische Vielfalt zeugt vom Suchen und Finden nach einem dem Material angemessenen Ausdruck. Auch die im Ort Fürstenberg erhaltenen Baudenkmäler aus der Frühzeit der Porzellanherstellung werden thematisiert, denn mit den Überresten der ältesten Porzellanbrennöfen ist Fürstenberg so etwas wie ein „Pompeji“ des europäischen Porzellans. Neue Informationstafeln an den Gebäuden laden zu einer Entdeckertour ein (s. gesonderten Beitrag „Entdeckertour“ auf unserer Internetseite).

Mit einem großen Wurf begann die Fürstenberger Figurenplastik: Nachdem der Modelleur Simon Feilner aus Höchst 1753 in Fürstenberg eingetroffen war, schuf er die Commedia dell`arte, bestehend aus 15 einzelnen Figuren. Immerhin sieben der Komödianten können in der Ausstellung gezeigt werden. Selbst unter Beteiligung aller Museen in Deutschland wäre es nicht möglich gewesen, einen vollständigen Satz zusammenzutragen. Hieran zeigt sich, wie selten und bedeutend die Exponate der Ausstellung sind. Der in Fürstenberg ausgebildete Anton Carl Luplau modellierte rund 20 Jahre später verkleinerte Versionen der „Italiänischen Comedianten“. Sie belegen das fortgesetzte Interesse an dem lebensfrohen Stegreiftheater und wurden für längere Zeit ausgeformt, so dass hiervon immerhin 10 Figuren gezeigt werden können. Neben weiteren beeindruckenden Exponaten sticht in diesem Ausstellungteil besonders auch ein großer Tafelaufsatz hervor, der nur in zwei Versionen erhalten ist. 

 


Die Braunschweiger Buntmalerei

Auf Betreiben Herzog Carls I. wurde bereits 1756 in Braunschweig eine „Malerakademie“ ins Leben gerufen, die die Malerei einer Fayencefabrik mit der Porzellanbuntmalerei aus Fürstenberg vereinigte. Die Maler wurden also nach Braunschweig versetzt, weitere kamen hinzu. Hintergrund dieser Überlegungen war eine engere Überwachung aber auch die künstlerische Förderung durch die in den Sammlungen der Residenzstadt vorhandenen Vorlagen. Die Niederlassung in der Hauptstadt war zugleich das Schaufenster Fürstenbergs. Das Publikum konnte Bestellungen aufgeben oder direkt einkaufen. Der Geschichte und den Leistungen dieser bis 1828 als fürstliches Institut betriebenen Buntmalerei wendet sich dieser Ausstellungsteil zu.

Besonders hervorzuheben sind hier 15 Teller und Schalen aus dem berühmten Service von Herzog Carl I. mit braunschweigischen Landschaften, bemalt von Johann Friedrich Pascha Weitsch, die die Richard Borek Stiftung in Braunschweig zur Verfügung stellt. Ein besonderes Glanzlicht ist sicherlich das „Holländische Service“, dessen Name auf einen Kunden deutet, für den es 1773/74 angefertigt worden war. Sieben Maler waren über ein Jahr lang mit der Landschafts- und Blumenmalerei beschäftigt. Mit 186 Teilen ist es eines der umfangreichsten erhaltenen Tafelservice aus dem 18. Jahrhundert und kann hier erstmalig in Deutschland präsentiert werden. Das Service beinhaltet ein Kuriosum: eine kleine Pfeife. Der Sohn der Besitzerin, der Gast bei der Ausstellungseröffnung war, berichtete hierzu: „Unsere Mutter hat diese Pfeife bisher nie aus der Hand gegeben, nun aber soll sie nach Hause kommen, so ist es ihr Wunsch“.

 


Die Dresdner Malabteilung Miersch für Luxusporzellane

Dieser Teil der Ausstellung widmet sich einer bislang nur wenig beachteten Episode der Fürstenberger Geschichte: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein Zweigbetrieb für aufwändige Handmalereien in Dresden eingerichtet. Unter dem Maler Oswald Miersch entstanden dort sehr aufwändige und prunkvolle Porzellane, die alle handwerklichen Register der Porzellanmalerei zogen. Hintergrund dieser Unternehmung war eine nach dem Krieg sprunghaft zunehmende Nachfrage nach Luxusporzellanen. Ein Trend wie geschaffen für eine der ältesten Manufakturen in Deutschland, die von ihrem Fundus an alten Formen profitierte und diesen zu neuem Glanz verhalf. Infolge der Weltwirtschaftskrise nach dem Schwarzen Freitag von 1929 brach dieser Markt ein und die Malerei wurde 1932 geschlossen.

Unter den etwa 100 Objekten sind auch mehrere Ausführungen der für Fürstenberg ikonischen Vasenmodelle und das vom Freundeskreis vor einigen Jahren angekaufte Jubiläumstafelservice aus dem Jahr 1922.

 


Porzellane zum Verlieben

Von trauten Zwiegesprächen der Menschen zeugen besondere Kleinodien der Porzellankunst: sogenannte Déjeuners – Service für das Frühstück. Das Frühstück oder die Einnahme von Zwischenmahlzeiten haben seit jeher einen privaten Charakter. Im 18. Jahrhundert fand dies zumeist in den Boudoirs statt, einer Räumlichkeit zwischen dem privaten Schlafzimmer und den anderen Räumen. Hierher zog man sich allein oder mit Vertrauten zurück. Eine Einladung dorthin war stets eine Ehre. Die dafür geschaffenen Service waren besonders aufwendig gestaltet, zum Verlieben eben.

Und heute? Der Aspekt des „Privaten“ in der Tischkultur berührt auch den heutigen Zeitgeist mit einem eher ichbezogenen aber zunehmend bewussten Verhalten, das gegenüber der Wahrnehmung von Repräsentationsaufgaben deutlich in den Vordergrund getreten ist. Dies lässt sich an der Sortimentsentwicklung der Porzellanhersteller in den letzten Jahrzehnten gut ablesen. Große Service sind kaum noch gefragt, hingegen florieren gut gestaltete Einzelteile für den privaten Gebrauch.

Durch Leihgaben aus verschiedenen Sammlungen ist es ist gelungen, die kleinen Kostbarkeiten für die kostbaren Momente über alle Epochen hinweg zu einem Zeitstrahl zu verbinden, der von der Geschichte Fürstenbergs kündet bis ins Hier und Jetzt. Im besten Sinne von 275 Jahren, in Herz und Hand.

 


Impressionen von der Vernissage am 24.06.2022

Insbesondere Museumsleiter Dr. Christian Lechelt ist es zu verdanken, dass neben den Mitgliedern des FFP auch noch weitere Leihgeber für die Ausstellung gewonnen werden konnten. Umso bedauerlicher war es, dass er selbst kurzfristig seine Teilnahme an der Eröffnung absagen musste. So begrüßte Cora Althusmann im Namen des Museums die aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus benachbarten Ländern angereisten Gäste. Von der Geschäftsführung der Manufaktur wurde ein Grußwort per Videobotschaft eingespielt.

Einen gleichermaßen gehaltvollen wie unterhaltsamen Festvortrag hielt Dr. Samuel Wittwer, Direktor der Schlösser und Sammlungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Vielen ist er auch aus der TV-Sendung „Kunst und Krempel“ bekannt. In seinem Vortrag hob der Porzellanexperte die vielfältigen Beziehungen zwischen der Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur (KPM) Berlin und der Fürstenberger Manufaktur hervor: „Zwei Schwestern im Geiste“, so seine treffliche Ausführung. Ausgehend von den familiären Beziehungen des preußischen Königshauses zum Braunschweiger Herzogtum brachte Wittwer viele Beispiele, wie sich die beiden Manufakturen und auch weitere gegenseitig beeinflussten.

Die thematische Einführung in die Ausstellung gab der FFP-Vorsitzende Dr. Thomas Engelke. Fürstenberg ist die zweitälteste fortwährend produzierende Manufaktur Deutschlands, und so sind die in Museen vorhandenen Bestände nie erschöpfend. Dies gilt für die Frühzeit im 18. Jahrhundert, aber auch und gerade für spätere Epochen, so führte Engelke aus, und weiter: „Das Konzept der Ausstellung gliedert sich in vier Themenkomplexe, in der Exponate zusammenfinden, die teilweise vor Jahrhunderten den Schlosshof in Fürstenberg verließen und nun für die Dauer der Ausstellung wieder zusammenfinden.“

Aufzeichnung


Die Ausstellung wirft mit Hunderten von Exponaten Schlaglichter auf die faszinierenden Themen und zeigt, wie die Freude des Sammelns zu einem vertieften Verständnis der Manufakturgeschichte und ihrer Wesenheit führt. Es berührt zutiefst, einer so geballten Passion zu begegnen, die eine 275-jährige Porzellanmanufaktur als das begreift, was sie ist: ein unabdingbares Kulturgut und dadurch heute und in Zukunft so relevant wie zum Zeitpunkt ihrer Gründung.